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IPAF 2007/08Spätestens seit der Veröffentlichung Alaa Al Aswanys ‚Der Jakubijan Bau‘ (Rezensionen: Deutschlandfunk, Perlentaucher, Poetenladen, Marabout) (und dessen Verfilmung) findet die arabische Literatur auch wieder in Europa grösseres Interesse.

Dieses Jahr ist es nun soweit, es gibt den Interationalen Preis für Arabische Literatur (IPAF) zur Feier zeitgenössischer arabischer Literatur. Ins Leben gerufen von der Booker Prize Foundation, der Emirates Foundation und dem Weidenfeld Institute for Strategic Dialogue wurde er 2007/08 das erste Mal ausgeschrieben. Nomiert wurden Ende Januar Jabbour Douaihy (Lebanon) für June Rain, Elias Farkouh (Jordanien) für The Land of Purgatory, Khaled Khalifa (Syrien) für In Praise of Hate, May Menassa (Lebanon) für Walking in the Dust, Mekkaoui Said (Ägypten) für Swan Song und Baha Taher (Ägypten) für Sunset Oasis.

Dass die arabische Literatur noch immer unter ganz eigenen Spannungsbögen leidet, zeigt sich auch im Schicksal der nominierten Texte. Kaled Khalifas In Praise of Hate ist seit seiner Veröffentlichung in seinem Heimatland Syrien verboten. Es erzählt von der Sehnsucht der Syrischen Gesellschaft nach Demokratie während der Unterdrückung durch islamitische Organisationen und deren brutale Niederschlagung in Hama im Februar 1982. Khalifa versucht damit eine Kritik an religös motivierten politischen Ideologien zu formulieren  (“There is fierce and direct criticism of sectarianism which produces the culture of hatred.” Kalifa zitiert in der Times, 1 Feb 08).

Ob eines der nomierten Bücher es auf die deutschen Regale schafft, ist ungewiss. Bisher gibt es die Titel noch nicht einmal auf Englisch. Sigrid Rausing (Billionärsenkelin und Besitzerin von Granta Books) hat allerdings inzwischen angekündigt eine Übersetzung des Gewinnertextes ins Englische zu finanzieren.

Der Gewinner wird am 10. März im Zuge der Buchmesse in Abu Dhabi auserkoren.

Wer Anregung zu Literatur aus und über Arabien (und Afrika) sucht, dem sei die Marabout Seite mit ihren Rezensionen und Autorenporträts empfohlen.

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96 das fremde buch in mirdie schreibenden unter uns werden sich schon einmal in dieser situation gefunden haben: man setzt sich ein pensum, beginnt zu schreiben, in welche richtung weiss man noch nicht – manch einer mag das sogar die grundlage der literatur nennen, denn weiss man als autor wirklich schon vorher was am ende dabei raus kommt? – und dann wird man mitten in der entwicklung dieses schwerwiegenden gedankens, der austüftelung verbal manifestierter gedanken, ganz unvermittelt und ohne warnung unterbrochen. das telefon klingelt, der postbote ist an der tür, die kellnerin fragt schon zum zwölften mal – äusserst höflich, ohne frage – ob alles beim rechten sei, die katze springt auf den tisch, oder der tisch wackelt gar.
96 seiten hatte sich armin baumgartner vorgenommen und 96 seiten lang beschreibt er den kampf seiner gedanken gegen das wackeln des tisches, den, in abwesenheit von bierdeckeln, aussichtslosen kampf. und zwischen den wacklern schreibt er literatur.

„und das geschieht alles sehr zu meinem erstaunen. ich kann also das wort mit meinen innenaugen beobachten, so als ob es sich hierbei um eine spinne handelt, wie es sich da aus meinem innenmund lautlos herausschleicht. und das sehe ich dann alles, innen und aussen und zu jeder tages- und nachtzeit. da hab ich dann ein nachtsichtgerät auf, ein innerliches, ein gedankliches. ein ziviles gedankennachtsichtgerät, mit dem ich sogar den gedankenfaden bei völliger dunkelheit sehen könnte. und danach gerät also dieses mein wort, mein gedankennachtsichtgerätwort, in eine wortverkehrshölle. da kommen fremde wörter von vorn und von hinten, die liegen auch einfach herum, gehören dem und dem, vielleicht denen am nachbartisch, und es kommt mitunter zu einem konflikt zwischen meinen und den anderen, wobei ich sagen muss, dass ich meinem wort dabei irgenwie schon weiterhelfen könnte. aber nein, ich sitze da, tue nichts und schau mir das gemütlich an.“ (S. 34)

das ist doch keine literatur, mögen sie sagen. aber darauf kann ich nur mit baumgartner antworten:

„was ist denn das überhaupt, die literatur. ist es das beschreiben dessen, was hinter dem ist, was ist, wenn das, was ist, so ist, dass es nicht das ist, was es für das, was dahitner ist, vorgibt zu sein.“ (S.65)

alles in allem sehr lesenwerte und äusserst unterhaltsame 96 seiten. baumgartner schafft es das schreiben (oder war es die literatur?) auf eine wunderbar (österreichische, wie er sicher selbst zugeben würde) art auseinander zu nehmen ohne den („rot-weiß-roten“) faden trotz fehlender bierdeckel und wackelndem tisch je wirklich zu verlieren.  ________________________________________________________
Armin Baumgartner: 96 das fremde buch in mir
Edition Uhudla A, Wien, 2006

Selekta Library Screenshot Was heute so in Internetforen zur Frage kommt: 

Selekta Library Screenshot 

Selekta:
Book rental service?
was just thinking. my sister does – alot- of reading, and spends like $1000 a year on just books alone. most of them she reads once then never looks at again. is there any kind of like… video rental store but for books? would make things alot cheaper, plus once one person has read one the next person can get enjoyment from it etc.

Ich hab diesen Beitrag inzwischen auf einigen Blogs (z.B. hier (und da gibt’s es noch mehr zu lachen)) und Foren gesehen, konnte aber den Originalpost noch nicht finden.  

… Garfield’s Antwort darauf hier. 

Übrigens:  Credit Crunch? … Büchereibücher zurückbringen nicht vergessen!

Unterwegs

Ich nehme räumlichen Abstand,
begebe mich in die Ferne,
sammle Geschichten,
besinne mich auf das Detail,
schreibe die Reise,
bin unterwegs.
Bis bald, Auf Wiedersehen!

Howard

Today I met Howard. Howard was wearing a dark blue cashmere coat and was stretched out on the pavement at the Notting Hill Gate crossing. Face down. A few people had gathered around him and a young woman was on the phone to an ambulance. I put my hand on his shoulder and asked him whether he was alright. Slowly, he lifted himself up on his knees and looked at us. He had been crying.
“Are you alright?”
“Yeah.”
“Have you been drinking?”
“No.”
“Have you taken any medication?”
“Yeah, crack cocaine.”
“Ok. Why don’t you sit down for a while? Here, lean against the wall.”
“I am ok. I am ok.”
“What’s your name?”
“Howard.”
“Howard. Do you know where you are?”
“Where am I?”
“You’re at Notting Hill Gate. You know where you live?”
“Yeah. W10.”
“You want a glass of water.”
“I am fine. I am an ex-paramedic.”
The woman on the mobile was still debating with the emergency services on whether it would be necessary for an ambulance to come around. Other people supplied tissues now, then walked off. Howard was digging through the inside pockets of his coat, looking for something. His hat. Fashionable, grey, with satin lining. He put it on his greying 3mm haircut and looked me in the eyes.
“You are very kind.”
“You are most welcome. You’ll find your way home?”
“Yeah, I live around the corner. 10 minutes.”
“How long have you been living in Notting Hill then?”
“Fucking ages.”
“It’s not what it use to be, he?”
He grinned.
Now he was standing. Swaying. Leaning into the window frames of the pub behind him.
The woman on the mobile asked whether he had chest pains.
“No, I am fucking fine. Don’t worry. Just leave.”
She got off the phone and said they wouldn’t send an ambulance around. Then she left.
“You want a glass of water?”
He didn’t answer, but somebody brought one out for him. With an ice cube in it. He gulped it down, splashed the rest on the pavement in front of us and handed the glass back to the doorman.
“Shall I call you a cab? You’ve got money?”
“I’ve got money alright. Just live around the corner. No worries.”
“You want to sit down for a little while?”
“No, I am going home now.”
“Ok, Howard. I am going now. Are you going to be fine?”
Tears came back to his eyes. We looked straight at each other. His eyes sad and lonely but full of truth.
“Promise me you won’t take anything else today, ok.?”
He nodded.
“Just go home. Lie down, sleep for a while. You’ll be fine. Will you find your way?”
“Yeah.”
“Ok. Howard, I am off now. I’ll see you around, ok? Don’t do anything stupid. I don’t want to read about you in the paper tomorrow. Or pick you up from the pavement again.”
“Thanks.”

Later I heard the sirens going down the high street. I had to think of Howard.

NaNoWriMoNoch zwei Tage, dreizehn Stunden,
8 Minuten,….

November ist ‚National Novel Writing Month’. Ziel der NaNoWriMos, wie sich Teilnehmer der Aktion nennen, ist es zwischen 1. und 30. des Monats einen Roman von 50,000 Worten zu schreiben.

Der erste NaNoWriMo fand im Juli 1999 in San Francisco statt und hatte 21 Teilnehmer. Letztes Jahr gab es 79,000 Teilnehmer und knapp 13,000 davon schafften es sogar über die 50,000 Wort Hürde. Von ‚national‘ kann inzwischen kaum mehr die Rede sein, denn es gibt heute weltweit Teilnehmer, von Brasilien über Indonesien bis Tansania.

It’s all about quantity, not quality.

Natürlich wird darüber gestritten, in wiefern die Qualität eines 175 Seiten-Romans unter solchem Zeitdruck leidet. So manch einem Literaturagenten, Verleger und Lektor (und Schriftsteller) stehen da die Haare zu Berge. Aber die NaNoWriMos sagen, sie haben Spaß und die Gewissheit, dass so viele andere auch an ihrem Roman ackern, motiviert.

Für alle deutschen Interessierten gibt es drei Ansprechpartner (Donal, Micha (Bonn) und Axel (Freiburg)). Im regionalen (deutschsprachigen) Internetforum gibt es mehr Infos dazu.

Da kann man nur ‚Happy Writing‘ wünschen. Mal sehen, ob es einer der Entwürfe zur Veröffentlichung schafft.

John Betjeman by Martin Jennings Nachdem ich die letzten Tage in der British Library verbracht habe, konnte ich nicht umhin gestern John Betjeman im renovierten St Pancras Bahnhof einen kleinen Besuch abzustatten.

Here where the cliffs alone prevail
I stand exultant, neutral, free,
And from the cushion of the gale
Behold a huge consoling sea.

Vom Fahrtwind aus Paris den Mantel verweht, die Hand am Hut, blickt er in das alles überspannende Stahlglasgewölbe des Bahnhofgebäudes, ein leichtes Runzeln zwischen den Augenbrauen, erstaunt nach all den Jahren, seinen so geliebten Bahnhof, von dem er dachte, man könne ihn für zu romantisch erachten, um ihn zu erhalten, in neuem Glanz erstrahlen zu sehen.John Betjeman by Martin Jennings

And in the shadowless unclouded glare
Deep blue above us fades to whiteness where
A misty sea-line meets the wash of air.