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Archive for November 2007

NaNoWriMoNoch zwei Tage, dreizehn Stunden,
8 Minuten,….

November ist ‚National Novel Writing Month’. Ziel der NaNoWriMos, wie sich Teilnehmer der Aktion nennen, ist es zwischen 1. und 30. des Monats einen Roman von 50,000 Worten zu schreiben.

Der erste NaNoWriMo fand im Juli 1999 in San Francisco statt und hatte 21 Teilnehmer. Letztes Jahr gab es 79,000 Teilnehmer und knapp 13,000 davon schafften es sogar über die 50,000 Wort Hürde. Von ‚national‘ kann inzwischen kaum mehr die Rede sein, denn es gibt heute weltweit Teilnehmer, von Brasilien über Indonesien bis Tansania.

It’s all about quantity, not quality.

Natürlich wird darüber gestritten, in wiefern die Qualität eines 175 Seiten-Romans unter solchem Zeitdruck leidet. So manch einem Literaturagenten, Verleger und Lektor (und Schriftsteller) stehen da die Haare zu Berge. Aber die NaNoWriMos sagen, sie haben Spaß und die Gewissheit, dass so viele andere auch an ihrem Roman ackern, motiviert.

Für alle deutschen Interessierten gibt es drei Ansprechpartner (Donal, Micha (Bonn) und Axel (Freiburg)). Im regionalen (deutschsprachigen) Internetforum gibt es mehr Infos dazu.

Da kann man nur ‚Happy Writing‘ wünschen. Mal sehen, ob es einer der Entwürfe zur Veröffentlichung schafft.

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John Betjeman by Martin Jennings Nachdem ich die letzten Tage in der British Library verbracht habe, konnte ich nicht umhin gestern John Betjeman im renovierten St Pancras Bahnhof einen kleinen Besuch abzustatten.

Here where the cliffs alone prevail
I stand exultant, neutral, free,
And from the cushion of the gale
Behold a huge consoling sea.

Vom Fahrtwind aus Paris den Mantel verweht, die Hand am Hut, blickt er in das alles überspannende Stahlglasgewölbe des Bahnhofgebäudes, ein leichtes Runzeln zwischen den Augenbrauen, erstaunt nach all den Jahren, seinen so geliebten Bahnhof, von dem er dachte, man könne ihn für zu romantisch erachten, um ihn zu erhalten, in neuem Glanz erstrahlen zu sehen.John Betjeman by Martin Jennings

And in the shadowless unclouded glare
Deep blue above us fades to whiteness where
A misty sea-line meets the wash of air.

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Der Sträfling gehört gewissermaßen nicht mehr zu den Lebenden.
Das Gesetz hat ihm das ganze Maß an Menschlichkeit aberkannt, das es einem Menschen wegnehmen kann.
Victor Hugo, Die Elenden

Der 15. November ist Tag der inhaftierten Schriftsteller. Internationale Schriftstellerorganisation PEN erinnert besonders an den kubanischen Journalisten Normando Hernández González, die gambische Journalistin Fatou Jaw Manneh, den iranischen Schriftsteller Yaghoub Yadali und den usbekischen Journalisten Jamshid Karimov.
Die Liste der inhaftierten Schriftsteller ist lang, noch länger jene derer, die zwar ihr Haus verlassen, aber nicht schreiben dürfen. Man denke da an Aung San Suu Kyi oder ihren Landsmann Maung Thura (‘Zargana’).
Und dann ist da jene furchterregende Liste derer, die für ihr Schreiben getötet wurden. Wer kann Anna Politkovskaya oder den usbekischen Theaterdirektor und Schriftsteller Mark Weil vergessen.
Falls der ein oder andere aktiv werden möchte, der American PEN stellt auf seiner Webseite einen Formbrief zur Verfügung, den man der entsprechenden Regierung zuschicken kann.

Wir sind alle Gefangene, aber einige von uns leben in Zellen
mit Fenstern und einige in Zellen ohne Fenster.
Khalil Gibran, Sämtliche Werke

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Ingredients: 500 grams calamari, medium onion, garlic, bouquet garni, white wine, salt, pepper 

Cupping each squid in the palm of your hand
Tug the tentacles
Downward, to release the intestines
From their purse of flesh. Sever
Below the eye (black bulge
Possibly wrathful); reserve
The entrails for your augurs.

Slippery star-speckled pockets of squid flesh!
Slice into rings; dice
The onion (should anyone ask
It’s why you weep), crush garlic,
Add thyme, rosemary, a bay
Leaf from the garden – white splash
Of retsina. Let it simmer.

Which give you an hour to forget
                       about cooking
And consider the positions of love-making,
Here in this volume of vases –
Slender phials with stoppers, bosomy jugs,
Wide-mouthed bowls (called kraters) painted
With satyrs, philandering maenads
And these flue-tootling Athenian women
Dressed in wines and sauces
And served up at banquets
In these antic clay vessels.

I heard Beverley Bie Brahic last week at Lauderdale House in London and this was my favourite poem in the reading. It can be found in an anthology called ‘Against Gravity’ at Worple Press , which has some other gems in it.

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Lang lebe Helvetica

helvetica-ms_frankfurt.jpg

Gestern gab’s auf BBC One eine gekürzte Version von Gary Hustwits Dokumentarfilm »Helvetica«.

Mir nahestehende Personen mögen mich für einen langweiligen super-nerd halten, dass ich mir über eine Stunde lang Kommentare zu einem Schriftart anschauen kann, aber jene unter uns, die wissen, dass Worte nicht nur aus Lauten bestehen sondern auch visuelles Erlebnis sind, werden mir beipflichten: Lang lebe Helvetica! Alles Gute zum 50igsten und möge deine Schweizer Neutralität bei aller Langweile, die dir so mancher Schriftsetzer wie Leser vorwerfen, noch lange auf all den öffentlichen Warnschildern weiterleben, mir in unendlichen Reihen von Firmennamen entgegen leuchten und stets das serifenlose understatement des Hintergrundes den du durchbrichst zum Subjekt deiner These machen!

brownfoxhelvetica.jpg

Helvetica*

Geboren 1957 von Max Miedinger in Zusammenarbeit mit Eduard Hoffmann in der Haas’schen Schriftgiesserei AG in Münchenstein,Schweiz

PS: Ich wünschte nur Herr Gates hätte ein wenig in seine User investiert und die Lizenz für Helvetica bezahlt, dann müsste ich das hier nicht in Arial tippen und mich schrecklich dabei fühlen. … klein aber fein, dieser Unterschied. 

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Einer der ‚jungen-unabhängigen‘ Verlage, denen man von zwei Jahren noch vorwarf sich selbst zu feiern und sich als ‚letzten Hort erlesener Literatur‘ zu betrachten (siehe Zeit, 17.03.2005), hat Ende Oktober seinen Fuß in die Tür der etablierten Verlage gestellt.

„Zum 1. Januar 2008 wird der Berliner Tropen Verlag Imprint-Verlag bei Klett-Cotta.“ Das heißt jedoch nicht Klett-Cotta hätte sich eine paar junge Schuhe gekauft, nein, die Tropen Verleger Tom Kraushaar und Michael Zöllner werden Geschäftsführer von Klett-Cotta. „Als Imprint wird Tropen den Bereich der Belletristik mit Titeln einer internationalen und urbanen Literatur vervollständigen.“, heißt es bei Klett-Cotta.
Wieland Freund weiß das in der Welt besser zu beschreiben: „Klett-Cotta plus Tropen, Ärmelschonercharme plus iVision, einfach addiert heißt das: im Schaukasten an der Stuttgarter Rothebühlstrasse stehen die Werke Ernst Jüngers und Gottfried Benns demnächst Seit’ an Seit’ mit Surf-Anthologien, Berichten aus der Welt der Hacker und Skateboard-Poesie. Gegensätze ziehen sich an, heißt es doch.“
Im Börsenblatt gratulieren die Kommentarios dazu.

… und, Nachtigall ich hör dir trapsen, der Tropen Verlag ist nicht der einzige der ‚jungen-unabhängigen‘ die sich in ganz etablierte – und abhängige – Gefilde aufmachen. So heißt es im Voland & Quist Verlagsblog: „Wolf Farkas und Lars Birken-Bertsch von blumenbar haben in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung bekannt gegeben, dass ein Investor den Verlag »mittelfristig begleiten und finanziell unterstützten« wird.“ Voland & Quist selbst wollen jedoch bis 2010 alle Schulden bei ihrem Mäzen bezahlt haben „Ob die das wollen oder nicht“.

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Während die Webmaster der Académie Goncourt noch beim preisverleihenden Mittagessen sitzen, weiß man im Internet schon: der diesjährige Prix Goncourt – höchste Auszeichnung der Literaturwelt Frankreichs – geht an Gilles Leroy für seinen Roman ‚Alabama Song‘.Alabama Song erzählt die Geschichte der Südstaatenschönheit Zelda Sayre wie sie F. Scott Fitzgerald heiratet (Autor des ‚Great Gatsby‘) und im Schatten seines Erfolgs zuerst eine glamouröses Leben in Paris, an der Riviera und in den Staaten lebt, bevor sie beide einen alkoholisierten Absturz erleben, der ihren Platz unter den ‚schönen und verdammten‘ der 1920iger Jahre etabliert.

Leroy (*1958, Bagneux) studierte Literatur und arbeitet als Journalist bis zur Veröffentlichung seines ersten Romans ‚Habibi‘ 1987. Alabama Song ist sein zwölfter Roman.

Bei YouTube gibt es ein gutes Interview mit Leroy (in Französisch), das auch auf die Erzählperspektive (geschrieben von Leroy aus der Sicht Zelda’s) und Sprache als erdachtes Memoire eingegangen wird.

Und wie sich das für einen wahren Ehrenpreis gehört bekam Leroy heute Mittag nur ein symbolisches Preisgeld von 10 Euro, – darf aber mit stark erhöhtem Verkaufsvolumen rechnen.

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