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Archive for Januar 2007

Die Gläser beginnen zu klirren. Das Mundgeblasene zittert seit Wochen und vor ein paar Tagen erwachte das Kristall mit leisem Klingeln aus dem Winterschlaf. Dabei ist es noch früh im Jahr. Zu früh.
Die Portugiesen unter dem Laden haben letztes Wochenende schon Hochzeit gefeiert. Eine Karawane von Autos verstopfte unsere Strasse. Die Braut, trägerlos, begrüßte auf der Strasse und fror. Eine der älteren Frauen reichte ihr irgendwann einen Mantel. Bis zum frühen Morgen vibrierten die Wände. Die Gläser tanzten.
Am nächsten Tag fand ich eine leere Flasche Madeira vor dem Haus. Die werde ich dem junge Paar zu Ehren in die Sammlung aufnehmen. Verkorkt am Tag nach der Hochzeit.

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Alle 10 Jahre

snow

Schnee, endlich,
für ein paar kurze Stunden,
Fliegende Semmelbrösel
Flaumregen
Plankton des Himmels
Schuppen im Wind
bis die Hitze der Stadt
ihn stielt
und uns in kaltem Grau zurücklässt.

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 giraffe1.jpg

During the times when wild animals were roaming the centre of London, Lincoln’s Inn Square was one of their grazing grounds. Only small passageways, which could be closed with iron gates, let to and from the square. Some of those remain, like Little Turnstile and Gate Street. William Blake most famously commemorated the Tyger of those days in one of his poems. Charles Darwin even brought some Galapagos iguanas to live there. Today, though, the lizards, tigers and sheep have long gone, replaced by lawyers and researchers filling the surrounding buildings. What remains is a feeding basket for the giraffe, ever reminding us of the wild times we had in London’s jungle.

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Literati

»Du bist ein unermüdlicher Leser. Mit gusseisernem Gedächtnis. Du kannst viele Gedichte auswendig.«
»Habe ich auch geschrieben? «
»Nichts Eigenes. Du hast immer gesagt: Ich bin ein steriles Genie, in dieser Welt kann man entweder lesen oder schreiben, die Schriftsteller schreiben aus Verachtung für ihre Kollegen, damit sie ab und zu was Gutes zu lesen haben.«

Umberto Eco, Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana

Ma signor Eco, chi e‘ che potrebbe spettegolare suo collega in questo modo?

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Nieselregen

Grau hängt der Tag hinter den Häusern
Elektrische Sonnen treiben uns zur Arbeit
Meine Brandung ist der Verkehr auf nasser Fahrbahn

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Famulus

Ich erkannte ihn sofort. Gerade als ich die Strasse überquerte bog er vor mir in die Hauptstrasse ein. Sein langer, schwarzer Mantel flatterte um die Speichen und er summte eine Melodie, die mir bekannt vorkam. Das wenige Haar, das ihm blieb, trug er jetzt kurz und gelb gefärbt. Noch immer schmückten mehrere Ringe seine Ohrläppchen und er trug die gleichen kurzen Stiefel.
Während er sein Fahrrad an das Geländer zwischen den Fahrbahnen schloss, näherte ich mich. Leichtfüßig überquerte er die Fahrbahn zwischen den anfahrenden Autos und betrat den Plattenladen. Als ich mich nach seinem Rad umsah, entdeckte ich das Schild, das in den dunklen Rahmen gespannt war. In gelben Lettern auf schwarzem Grund stand dort: Famulus.

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3 Januar 2007

Szenen polieren. Musik hilft angeblich. Jazz, Gypsy Punk, Radio, – schließlich Brahms Deutsches Requiem. Es erschüttert die Gemäuer, aber jenes illustre Detail spannungsfördernder Handlungsgeometrie, das den Text aus den Regalen der Buchhandlungen katapultieren wird, fehlt noch immer.
Richard ist das Problem. Seit drei Jahren wohnt er in meinem Gästezimmer und ich weiß welche seine Lieblingssalatsauce ist (Zitronen-Vinaigrette mit frischer Petersilie!), aber kenne ich ihn wirklich? Ist er nicht neurotisch genug? Kein wildes Augenbrauenzucken. Oder perverse genug? Keine Vorliebe für laszive Studentinnen. Er hat keine Vorliebe für grüne Äpfel, deren biblische Symbolik ich im letzten Kapitel ersticken könnte.
Vielleicht liegt es doch an der Handlung. Dem Plätschern der Ereignisse. Wo ist mein Sturzbach? Eine Waffe muss her. Großes Kaliber. Oder ein persischer Dolch.

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