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Archiv für März 2007

Kinderpoesie

„Fingerfarben hab ich auch bekommen, und eine Fahne für’s Fahrad.“ Sie plapperte fröhlich weiter, bis sie abrupt absetzte, sagte: „Ich muss jetzt meine Möhren essen“ und den Hörer an ihre Mutter weitergab. Mir wurde erklärt, dass es sich um die Marzipanmöhren auf dem Geburtstagskuchen handelte. Und dann bekam auch ich ein Geschenk, die neueste Folge [...]

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Leibscher Meßdrubel

Zur Messezeit, im Jahr zweemal,
wärkt Leibzsch sähr indernazional
Da gwärcheln unterm Blubligum
Ne ganze Masse Fremder Rum
.Lene Voigt (1929)
Radiusstrasse – Messegelände – Augustusplatz – Radiusstrasse – Hauptbahnhof – Messegelände – Moritzbastei; immer wieder; quer durch, durch Leipzig; wo man rote Gauloise und f6 raucht und es nicht aufhören will zu regnen.
Zwischen Belletristik, Lexikon und Buchdruck verirre [...]

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Bahnhöfe

Zwischen den Dächern über den Gleisen schneien die Flocken wie fröhliches Konfetti. Meine Abreise wird gefeiert. Mit Wurstsemmel, Apfeltasche und Zeitung bepackt, harre ich des technologischen Wunders, das mich gen Osten kutschiert.Bahnhöfe sind die letzten Stätten der Begegnung, der Kommunikation, der Durchlässigkeit von Individuum und Herde. Im Herzen der Stadt als Umschlagplatz menschlicher Lebenswege, Durchgangsverkehr [...]

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Irrwege

Mitten in Köln finde ich mich in Ausland. Die U-Bahn eine Straßenbahn, gesprochen wird neapolideutsch, türkisch, kroatisch und vietnamesisch. Ach, und Kölsch. Ich verstehe kein Wort. Die Innenstadt nur Baustelle, ich andere Baustelle. Der Geburtsort des Punk liegt dort, wo ich herkomme, aber hier auf dem Domplatz, treffe ich sie. Zwischen Skateboardern und Biertreff. Am [...]

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Die Stunde der Eile

Wenn sich dicht an dicht Anzüge auf dem Bahnsteig drängen, Kaffeebecher in den Händen brennen und die Sekunden digital anschwellen, dann ist das letzte was vonnöten, ein Feueralarm am anderen Ende der Stadt und Züge, die im Tunnel stecken.
Bis ins Büro sind die Haare trocken, das Mobiltelefon auf Bereitschaft, die Zeitung noch nicht ausgelesen. Von [...]

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Das Wort

Sie kürzte. Szene um Szene.
Die Stelle, an der er durch den Park irrt. Weg. Die endlose Passage seiner trunkenen Odyssee durch die Stadt. Weg. Das nicht enden wollende Lamentieren über die vernunftslose Schönheit einer Kirche. Weg. Siebenhunderdreiundachzig Adjektive. Gestrichen. Die tote Schwester. Redigiert. Reduzierter Text. Die Essenz kondensiert am Sinn des Wortes. Möge es so [...]

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Papierschnipsel

sie übersäen den teppich;
ich will sie pflügen; daraus blüten wachsen lassen;
wortgewächse; geschichtendschungel;
so ein unsinn; weg damit;
staubsauger saugt sich voll; papierschnipsel liegen schwer im magen;
röcheln; tüte wechseln;
im frühjahr wuchsen stilblüten aus der tonne;
papyrus florealis

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